4 Gründe, warum mir Nachhaltigkeit so wichtig ist

Freitag, 19. Oktober 2018 Umea


Seelengrün Blog: 4 Gründe für Nachhaltigkeit im Alltag

Nicht erst seit der Hitzewelle im Sommer oder dem IPCC-Sonderbericht ist das Thema Nachhaltigkeit, insbesondere nachhaltiger Konsum, ein echter Trend geworden. Es tut sich was in Deutschland und weltweit – Umweltbewusstsein wird nun nicht mehr mit der „Ökotussi“ verknüpft, sondern mit einem „green lifestyle“. Und ich find’s toll: dass sich das vegane Angebot immer mehr vergrößert, dass sogar mein fast 62-jähriger Vater über den Kauf eines Elektroautos nachdenkt und dass ich auch im normalen Supermarkt immer mehr unverpacktes Obst und Gemüse kaufen kann.

Gleichzeitig wird immer wieder auch Kritik an dieser Entwicklung laut, der ich voll und ganz zustimmte: die Thematik werde dadurch banalisiert und zu einem „Lifestyle-Trend“ umfunktioniert. Dadurch, dass immer mehr Firmen auf den Zug aufspringen, geschehe immer mehr Greenwashing* (H&M Conscience, anyone?). Und um eine breitere Kundschaft anzuziehen, findet sich inzwischen auch in Bio-Märkten immer mehr „convenience food“, in Portionsgrößen verpackt oder zum Warmmachen in der Mikrowelle, aber immerhin Fairtrade.

Außerdem ist natürlich auch der Konsum von nachhaltig hergestellten Waren trotzdem noch Konsum. Er ändert daher nichts an der Grundthematik: dass die Menschheit im Durchschnitt viel mehr Ressourcen verbraucht, als sie sich leisten kann. Und ja, die eigentliche Verantwortung und die Macht, tatsächliche weitreichende Veränderungen zu bewirken, liegt in den Händen der Politik und der Industrie. Der Spruch „Jeder Kassenzettel ist ein Wahlzettel“ ist meiner Meinung nach zu einfach gedacht – insbesondere, wenn dann nicht auch von einem tatsächlichen Wahlzettel Gebrauch gemacht wird.

Dennoch ist all das für mich kein Argument dagegen, meinen persönlichen Alltag nachhaltiger auszurichten, denn naja, es trägt ja zur Lösung dieser Problematiken auch nichts bei, wenn ich es nicht tue. „Ich kann ja eh nichts ausrichten, da kann ich es auch lassen“ lasse ich nicht gelten, weder beim Thema politische Beteiligung noch beim Thema Nachhaltigkeit.

Rette ich eigenhändig den Planeten, wenn ich so oft wie möglich plastikfrei einkaufe, mich vegan ernähre und Fahrrad bzw. Öffis statt dem Auto nutze? Natürlich nicht - aber ich schade ihm eindeutig auch nicht. Und deshalb möchte ich hier meine Hauptgründe dafür teilen, weshalb ich dem Thema Nachhaltigkeit einen so großen Wert in meinem Leben eingeräumt habe:

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1. Es geht einfach nicht anders.

Ein Wirtschaftssystem, das ausschließlich monetäres und materielles Wachstum anstrebt, wird hier einfach nicht mehr funktionieren. Wir müssen grundlegend überdenken, wie wir die uns zur Verfügung stehenden Naturressourcen nutzen.

Diese Worte stammen von Nachhaltigkeitsaktivist Daniel Anthes in einem Interview mit Umweltdialog 2015. Aber auch heute, 3 Jahre später, ist diese Aussage noch gültig. 

Schon 1972 wiesen Meadows u.a. in ihrer Studie „Die Grenzen des Wachstums“ darauf hin, dass immer weiteres Wachstum zu einem kompletten Systemkollaps führen kann und benennen politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme.  Diese Warnung wird beispielsweise dadurch bekräftigt, dass sich der sogenannte „Weltüberlastungstag“, d.h. der Tag, an dem die Menschheit die nachwachsenden Rohstoffe aufgebraucht hat, die innerhalb eines Jahres wiederhergestellt werden können, mit jedem Jahr früher berechnet wird. In diesem Jahr war der internationale „Earth Overshoot Day“ am 1. August.

2. Der Klimawandel bedroht alles, was ich liebe.

Angefangen von meinen heißgeliebten Wäldern über unzählige Tier- und Pflanzenarten bis hin zu Menschen auf der ganzen Welt (ja, auch in Deutschland!) – der Klimawandel hat einen Einfluss auf uns alle. Laut dem diesen Monat erschienenen IPCC-Sonderbericht hat das Verhalten der Menschen bisher zu einer Erderwärmung von ca. 1°C geführt. Wenn sich die Erde mit der momentanen Geschwindigkeit weiter erwärmt, was sehr wahrscheinlich ist, wird der kritische Punkt von 1,5°C zwischen 2030 und 2052 erreicht. Diese von Menschen verursachte globale Erwärmung verläuft schneller als die meisten natürlichen Klimaveränderungen der Erdgeschichte, und das heißt, dass sich Tier- und Pflanzenarten viel schneller anpassen müssten, als sie es bisher jemals taten, um damit schritthalten zu können. (Bäume, als Schnecken im Punkt Anpassung, haben besonders schlechte Karten). Prognosen zufolge würde eine weitere Erwärmung im aktuellen Tempo bis 2080 einen Lebensraumverlust um die Hälfte der Fläche für ca. 57 % der Pflanzen und 34% der Tiere bedeuten, was zum Aussterben vieler Arten führen wird, denn wo sollen sie hin?

Doch auch wir Menschen werden die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommen. Der Meeresspiegel wird ansteigen (durch das Schmelzen der Polkappen und der Gebirgsgletscher), was die Lebensräume von ca. 43 Millionen Menschen akut bedroht – all jenen nämlich, die die ca. 40 Inselstaaten bewohnen, die aller Wahrscheinlichkeit nach einfach versinken. Während zu viel Wasser die Existenz der einen bedroht, leiden die anderen unter zu wenig davon. Gerade in den Entwicklungsländern (die übrigens am allerwenigsten zur Erderwärmung beitragen) wird es zu häufigeren und länger andauernden Dürreperioden kommen. Eine Folge ist eine weitere Verschlechterung der Versorgung der Bevölkerung dort mit Lebensmitteln, aber auch mit Trinkwasser. Möglich ist dann auch, dass aus der Konkurrenz um diese knappen Ressourcen Konflikte und im schlimmsten Fall bewaffnete Auseinandersetzungen entstehen.

Auch wir im sicheren, reichen Deutschland sind vom Klimawandel betroffen. Die Hitze im vergangenen Sommer war ein Vorgeschmack auf die extremeren Wetterereignisse, die die Erwärmung mit sich bringt. Neben Hitze zählen auch stärkere Stürme und Überschwemmungen dazu. Sonst noch etwas? Leider ja. Wie immer mal wieder am Rande erwähnt, findet ein massives Insektensterben statt. Auch wenn das manche vielleicht freut, gibt es daran ein sehr großes Problem: betroffen sind nämlich auch die Bienen, die die Pflanzen bestäuben, die dann (direkt oder indirekt) zu unserer Nahrung werden. Was ein Aussterben der Bienen bedeutet, wurde durch die Aktion eines Penny-Markts in Hannover im Mai deutlich. Dort wurden über Nacht alle Produkte aus den Regalen geräumt, die es ohne Bienen nicht mehr gäbe. Wer sich die trostlosen Bilder anschauen möchte, kann das hier tun.

Und ach ja, die 43 Millionen Menschen, deren Heimat überflutet wird, müssen ja auch noch irgendwohin. Und wie gut die deutsche Gesellschaft schon mit den aktuell hier ankommenden Geflüchteten klarkommt, muss ich hier wohl nicht noch einmal extra erwähnen. (zur Sicherheit aber noch einmal kurz: natürlich werden NICHT alle 43 Millionen Klimaflüchtlinge in Deutschland auftauchen. Don’t panic.)

3. Es wird alles noch noch schlimmer.


Die drei größten menschlichen Verursacher des Klimawandels laut dem aktuellsten IPCC-Report von 2014:

  • Strom- und Wärmeerzeugung
  • Land- und Forstwirtschaft und andere Landnutzung (insb. Methan aus Viehzucht)
  • Industrie

Entwicklung dieser Sektoren:

  • Anstieg des Energieverbrauchs, insbesondere getrieben durch die heutigen Schwellenländer, und Erzeugung dieser Energie zum größten Teil aus fossilen Brennstoffen.
  • Der durchschnittliche globale Fleischkonsum wird sich bis 2050 verdoppeln.
  • Anstieg der industriellen Emissionen in Schwellenländern, während die Emissionen in den USA und Europa nur zu einem deutlich geringeren Prozentsatz reduziert werden

.Das lasse ich jetzt einfach so stehen.

4. Es wird gleichzeitig nicht einfach alles nur noch schlimmer.

Weil sich die Menschen weltweit immer mehr vernetzen und Informationen sich immer schneller und weiter verbreiten, werden die Auswirkungen der globalen Entwicklung und von nachhaltigem bzw. nicht-nachhaltigem Handeln den Menschen immer deutlicher vor Augen geführt. Dadurch wächst auch das allgemeine Interesse an den Folgen des eigenen Lebensstils und die Bereitschaft, eigene (Kauf-)Entscheidungen zu überdenken. In Deutschland zeigt sich laut einer Studie insbesondere bei jungen Menschen ab 14 Jahren, dass diese ökologische Themen in der Regel im Kontext anderer politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen sehen und eine global und langfristig ausgerichtete Sichtweise auf die Problematiken haben. Daher gibt es mir Hoffnung, dass in meiner Generation (ich sehe mich jetzt einfach als Teil dieser Generation, um mich nicht furchtbar alt zu fühlen) die Wichtigkeit des Themas erkannt zu haben scheint. Darüber hinaus erweisen Klimaschutzmaßnahmen als durchaus wirksam. Würden die Klimaschutzziele für 2030 erreicht, könnte der oben angesprochene Lebensraumverlust zum Beispiel um fast die Hälfte verringert werden. Und ob mich das anspornt, meinen, wenn auch winzig kleinen, Teil dazu beizutragen!


Das waren also die vier wichtigsten Gründe, warum ich mein Leben so nachhaltig wie möglich gestalten möchte. Hast du dich mit dem Thema auseinandergesetzt? Und spielen für dich vielleicht noch andere Gründe eine wichtige Rolle? Schreib mir deine Meinung gerne als Kommentar oder bei Instagram!

 


Quellen:



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