Nachhaltigkeit ist nicht nur öko! Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit und wie ich mich daran orientiere

Sonntag, 7. April 2019


Im Alltag wird der Begriff “Nachhaltigkeit”, und noch mehr sein englisches Pendant “sustainability” in der Regel hauptsächlich mit Umwelt- und Klimaschutz in Verbindung gebracht. Blogger*innen, YouTuber*innen oder allgemein Influencer*innen, die ihre Reichweite für Werbung für einen nachhaltigen Lebensstil nutzen, nennen sich oft auch “green”, und auch sie beziehen den Begriff Nachhaltigkeit, für den sie stehen, zum größten Teil auf den Bereich der Ökologie.

Gleichzeitig werden Stimmen laut, die eben diese Influencer*innen kritisieren, weil sie zu viel Verantwortung auf die Handlungen von jeder Einzelperson legten und zu wenig Forderungen an Politik und Wirtschaft stellten. Auch ein ökologischer Lebensstil der Einzelnen bliebe ohne große Wirkung, solange andere Bereiche außer Acht gelassen würden.

Tatsächlich sind diese beiden Standpunkte aber nur dann Gegensätze, wenn man “nachhaltig” und “umweltfreundlich” gleichsetzt. Das ist jedoch zu kurz gegriffen.

Mehr als öko: Nachhaltigkeit basiert auf drei Säulen


Deutlich wird das durch das 3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit, manchmal auch Nachhaltigkeitsdreieck genannt. Der genaue Ursprung des Modells  ist nicht geklärt, aber es soll schon in den 90ern zum ersten Mal verwendet worden sein. In diesem Modell basiert die Nachhaltigkeit als “Dach” auf den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales.

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Ökologie

Die Säule der Ökologie steht dabei für das, was wir hauptsächlich mit Nachhaltigkeit assoziieren. Nachhaltigkeit im ökologischen Sinn bedeutet: natürliche Ressourcen nur in einem solchen Maß zu nutzen, dass die Natur sich wieder regenerieren kann, insbesondere bezogen auf Energie, Wasser und nicht-nachwachsende Rohstoffe, und darauf zu achten, das Ökosystem nicht zu schädigen. Hier sind als größtes Problem unsere Emissionen zu nennen, die einen enormen Einfluss auf das gesamte ökologische System Erde haben.

Ökonomie

Die zweite Säule, Nachhaltigkeit im ökonomischen Sinn, widmet sich der Frage: was ist nachhaltige Wirtschaft? Lange Zeit, und auch heute noch, war das Ziel jedes Wirtschaftsunternehmens, den eigenen Profit immer weiter zu steigern. Die ständige Profitmaximierung als einziges Ziel ist jedoch nicht nachhaltig. Denn die Kosten, die eingespart werden, um die Gewinne möglichst hoch zu halten, werden an anderer Stelle gezahlt: von den Mitarbeiter*innen, die den geringstmöglichen Lohn bekommen, von den Menschen im globalen Süden, deren Länder geplündert werden, von der Umwelt und schlussendlich von den nachfolgenden Generationen. Daher bedeutet nachhaltiges Wirtschaften: weiter denken als bis zur nächsten Bilanz und Strategien verfolgen, die dem Unternehmen langfristig nutzen, z.B. Investitionen in (energie)effiziente Ausrüstung, und für zukünftige Generationen keine Nachteile verursachen.

Soziales

Der weit gefasste Begriff “Soziales” bildet die dritte Säule. Diese findet am wenigsten Beachtung, vielleicht auch eben weil sie so schwer zu fassen ist. Was bedeutet das, “soziale Nachhaltigkeit”? Meinem Verständnis nach könnte man auch von gesellschaftlicher Nachhaltigkeit sprechen. Das Handeln einer Gesellschaft, z.B. eines Staates, soll am Gemeinwohl orientiert sein. Alle in der Gesellschaft sollen fair und mit Respekt behandelt werden und sich frei entfalten können. Diese Säule umfasst als Ziel so gesehen alles, was auch in der Politik “sozial” genannt wird: faire Bezahlung, Umsetzung von Interessen der Arbeitnehmer*innen, Beseitigen und Verhindern von gesellschaftlicher Ungleichheit und daraus entstehenden Konflikten u.v.m. Deshalb spielt die Politik meiner Meinung nach auch eine große Rolle beim Aufrechterhalten dieser dritten Säule.

Ergänzungen und Weiterentwicklungen

Allerdings gibt es auch die Idee, das Modell um eine vierte Säule, Politik, zu ergänzen. Die dritte Säule bezieht sich dann auf die gesamte Gesellschaft und die vierte auf nachhaltiges politisches Handeln, z.B. die Bildungspolitik. Eine weitere Weiterentwicklung des Modells ist das sogenannte gewichtete 3-Säulen-Modell, das die Ökologie als Fundament unter das Gesamtgebilde legt und als neue dritte Säule den Bereich Kultur mit ins Spiel bringt. Wirtschaft, Kultur und Soziales, indem sie Handeln allesamt auf ökologischer Nachhaltigkeit basieren und darüber hinaus eigene Schwerpunkte setzen, stützen so zusammen das Dach der Nachhaltigkeit.

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Kritik am Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

Natürlich gibt es auch Kritik am Drei-Säulen-Modell. Die eben erwähnte Weiterentwicklung ist z.B. eine Reaktion auf den Kritikpunkt, dass die ökologische Komponente eben nicht gleich mit Wirtschaft und Sozialem gewichtet werden könne, weil die anderen beiden direkt von z.B. Ressourcen und dem Klima abhängig seien.

Außerdem wird kritisiert, dass das Drei-Säulen-Modell die sich immer weiter entwickelnde Globalisierung nicht genügend beachte. Dabei steht insbesondere die Komponente “Soziales” im Fokus. Soziale Nachhaltigkeit auf eine Gesellschaft, in der Regel verstanden als ein Staat, zu beziehen, sei nicht ausreichend. Sozial nachhaltiges Handeln muss stattdessen beispielsweise die Arbeiter*innen auf einer Kaffeeplantage in Südamerika genauso mit einbeziehen wie die allein erziehenden Eltern hier in Deutschland.

Am häufigsten wird als Kritik jedoch genannt, dass das Drei-Säulen-Modell einfach nicht konkret genug sei. Es beinhalte keine Handlungsideen, sondern könne höchstens eine Richtlinie bieten.

Für wen ist das Drei-Säulen-Modell gedacht?

Aber meiner Meinung nach reicht das für dieses Modell eigentlich auch aus. Ein Modell so simpel wie das Drei-Säulen-Modell kann eigentlich kaum mehr als ein Wegweiser sein, eine Orientierungshilfe. Mit Ideen und konkreten Handlungsschritten ergänzt werden muss es dann individuell. Eigentlich wurde es als Leitbild für Politik und Unternehmen entwickelt, aber ich finde es als grobe Orientierung auch für mich als Einzelperson nützlich!

Wie ich mich am Drei-Säulen-Modell orientiere

Für mich persönlich habe ich aus dem 3-Säulen-Modell die folgenden Handlungsschritte oder Prinzipien abgeleitet:

Ökologie:

Darauf achten, wie ich natürliche Ressourcen nutze und sparsam mit Wasser und Energie haushalten.
Mir den schädlichen Einfluss meines Alltagslebens auf unser Ökosystem immer wieder bewusst machen und versuchen, ihn so klein wie möglich zu halten

Wirtschaft:

Nachhaltig investieren, anstatt nur darauf zu achten, meine Ausgaben möglichst gering zu halten.
Innerhalb meines finanziellen Rahmens so nachhaltig (und in diesem Sinne auch ökologisch und sozialverträglich) handeln wie möglich.

Soziales:

Mir die Zusammenhänge und Auswirkungen meines alltäglichen Handelns im globalen Zusammenhang bewusst machen und meinen Beitrag zu Ausbeutung und anderer unmenschlicher Behandlung so gering wie möglich halten
Politik unterstützen, die sozial nachhaltige Prioritäten setzt
Mich auch außerhalb meiner “Blase” über Ereignisse und Problematiken weltweit informieren und mich positionieren bzw. persönlich für Veränderungen einsetzen, die soziale Nachhaltigkeit fördern.

Wie stehst du zum 3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit? Ist es dir auch zu kurz gegriffen? Denkst du, es kann auch für Einzelpersonen zur Orientierung dienen? Und (wo) siehst du die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Säulen?

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