Alltagsdinge, die mich als Feministin nerven

Freitag, 21. Dezember 2018




Dieser Blogpost ist ein Meckerpost. Ich bin in Meckerstimmung. Ich liege nämlich seit einem Fahrradunfall am Dienstagabend hauptsächlich im Bett herum. Das führt dazu, dass ich viel Zeit im Internet verbringen konnte. Dort konnte ich dann von Witzen über Vergewaltigung bis zu aktuellen Beispielen von Male Entitlement so einiges lesen, worüber ich mich aufrege. Und weil ich die Rage dann auch vollständig nutzen wollte, meckere ich auch noch über ein paar Offline-Dinge, die mich als Feministin nerven. Los geht's!




Geschlechtsspezifisch vermarktete Produkte

Ich kann es ja sogar noch irgendwie verstehen, dass es so etwas wie Männershampoo mit herbem Duft gibt (auch wenn ich auch Frauen kenne, die diesen bevorzugen). Aber bei Damen- und Herrenrasierern, bei denen der Hauptunterschied der höhere Preis für die Frauen ist, hört das Verständnis bei mir schon auf. Und wenn ich dann an der Kasse so etwas wie ein pinkes Lady-Feuerzeug sehe, das einzeln so viel kostet wie die Dreierpackung der normalen Feuerzeuge (oder macht das diese dann automatisch zu Männerfeuerzeugen?), will ich am liebsten randalieren. Und das kommt von mir…ich meine, ich hasse Aufmerksamkeit!


Männer, die lieber kollidieren als aus dem Weg zu gehen, wenn man aufeinander zu läuft.

Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass, wenn zwei Personen auf engerem Raum aufeinander zu kommen, mindestens eine von ihnen zur Seite geht, um eine Kollision zu vermeiden. Alle kennen diese Regel. Alle außer, wie es scheint, einigen Männern. Diese denken, alle anderen seien verpflichtet, ihnen aus dem Weg zu gehen. So scheint es zumindest, wenn man ihre Reaktion betrachtet, wenn das Gegenüber eben nicht zur Seite springt und sie ineinanderlaufen. Das überrascht die Männer dann oder macht sie wütend. Als sei es völlig undenkbar, dass jemand erwarten könne, dass SIE aus dem Weg gehen. Das regt mich deswegen so auf, weil es mich regelmäßig zwingt, zwischen zwei Übeln abzuwägen. Ich möchte mir nämlich einerseits eigentlich abtrainieren, immer instinktiv sofort zur Seite zu springen. Andererseits bin ich aber auch schmerzempfindlich. Sind die blauen Flecken das Vertreten meiner Überzeugung wert? Diese Frage möchte ich mir nicht mehrmals täglich stellen!


Im Internet ständig Friendzone-Mimimi zu lesen.

Liebe Männer! Frauen können, unglaublich aber wahr, nicht darüber entscheiden, wen sie romantisch und/oder sexuell attraktiv finden oder nicht! Das hat also absolut nichts damit zu tun, ob ihr sie tröstet, sie zum Essen einladet, 24h täglich an ihrer Seite verbringt oder ihr eine Kreuzfahrt schenkt. Nichts davon verpflichtet eine Frau dazu, mit euch zu schlafen oder sich in euch zu verlieben! Attraktion ist willkürlich und Interesse nicht käuflich! Also hört auf so zu tun, als wäre eine Frau herzlos, die sich einfach nicht zu euch hingezogen fühlt, obwohl ihr jahrelang ihr bester Freund wart. (PS: Wenn ihr nur deshalb mit ihr befreundet wart, um sie herumzukriegen, wart ihr sowieso nicht wirklich ihr Freund)


Dass ich mich vor herumlungernden jungen Männern fürchte.

Zugegeben, das ist ein Problem, das teilweise an mir selbst liegt. Ich weiß sehr wohl, dass nicht jede an einer Straßenecke herumhängende Gruppe Jugendlicher mich belästigt oder bedrängt, wenn ich an ihnen vorbeilaufe. Das heißt, diese Angst begründet sich auch aus Vorurteilen. Aber ich weiß eben auch, dass es die Fälle schon gab, in denen mir eben diese Gruppen Dinge hinterhergerufen haben, in denen sich jemand absichtlich so hingestellt hat, dass ich ihn beim Vorbeigehen berühre. Dass in der Straße, in der eine meiner Freundinnen wohnt, vor kurzem eine junge Frau vergewaltigt wurde und meine Freundin nun Angst hat, wenn sie im Dunkeln von der Arbeit kommt. Es nervt mich, dass diese Angst eben NICHT einfach eine weitere meiner irrationalen Ängste ist, die mit der Angststörung einher gehen. Die Gefahr ist real und die Angst begründet.


Dass Männer grundlegende Höflichkeit gleich als Anreiz dafür nehmen, ihr Interesse an mir zu bekunden.

Liebes Tagebuch, heute habe ich ehrenamtliche Arbeit geleistet. Es hat mir Spaß gemacht, aber ich werde nicht mehr hingehen, denn ein Typ dort, mit dem ich kaum 10 Minuten Smalltalk gemacht habe, hat danach mindestens ebenso lange versucht, mich dazu zu überreden, ihm meine Handynummer zu geben. Und jetzt möchte ich ihm aus dem Weg gehen.

Liebes Tagebuch! Heute bin ich Bus gefahren, was echt praktisch war, aber in Zukunft werde ich wieder das Fahrrad nehmen, denn der Busfahrer war der Meinung, dass ein Lächeln und ein "Hej!" beim Einsteigen bedeuten, dass ich ihn gut finde, und jetzt habe ich Angst, ihm bei der nächsten Busfahrt wieder zu begegnen.

Liebes Tagebuch, heute war ich ohne meine Freunde in der Universität, weil ich die Vorlesung interessant finde und eigentlich nicht verpassen will. Aber der Typ, der eine Reihe hinter mir saß und eh schon immer so seltsam im Gang herumsteht, hat mich die ganze Zeit angestarrt und jetzt traue ich mich nicht mehr allein hin.

Das sind Beispiele, die innerhalb der letzten drei Monate passiert sind. Aber es sind längst nicht alle. Ich bin ein höflicher Mensch. Ich habe bisher alle Busfahrer*innen beim Einsteigen gegrüßt und bin auf Smalltalk (wenn auch widerwillig) eingegangen, weil ich weiß, dass das Ansprechen einer fremden Person echt Überwindung kosten kann. Und auch wenn ich das Verhalten einer Person seltsam finde, spreche ich das nicht an, weil ich, solange es keinen wirklichen Anlass gibt, niemandem ein schlechtes Gefühl über sich selbst geben will. Und ich war eigentlich immer gerne höflich und freundlich. Ich mag es, anderen Menschen freundlich zu begegnen. Deshalb nervt es mich so sehr, dass eben dieses für mich völlig selbstverständliche Verhalten so komplett fehlinterpretiert wird. Ich bin zu allen freundlich, egal ob sie männlich, weiblich, oder eines anderen Geschlechts sind, ob sie 1 oder 100 Jahre alt sind, ob sie meiner Meinung nach gutaussehend sind oder nicht. Man muss nicht einmal menschlich sein, um von mir freundlich und respektvoll behandelt zu werden. Deshalb noch einmal zum Mitschreiben: nur weil ich freundlich zu dir bin, heißt das nicht, dass ich romantisches oder sexuelles Interesse an dir habe! Es heißt einfach nur, dass eines meiner Prinzipien ist, allen mit Respekt zu begegnen. Ist das denn so schwer nachzuvollziehen? 

Und: ist es denn so viel verlangt, Respekt auch als Frau von den (männlichen) Mitmenschen zu fordern? Wenn man einen Blick in die Kommentare irgendeines Bilds oder Artikels im Internet wirft, bekommt man diesen Eindruck. Aber ich finde, das ist nicht zu viel verlangt! Und deshalb hatte ich heute auch das Bedürfnis, zu meckern. Mir geht's jetzt besser. Danke fürs Lesen.


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