6 Schritte zu deiner nachhaltigen Capsule Wardrobe


Auf meinem YouTube-Kanal (wo ich momentan aktiver bin als hier – die Lust auf Schreiben oder Filmen kommt phasenweise) hatte ich vor Kurzem ein Video hochgeladen, worin ich ein wenig davon gezeigt habe, wie ich meine Kleidung aussortiert und mir eine Art Capsule Wardrobe erstellt habe.

Dieser Post soll eine Art Ergänzung zu diesem Video sein, in dem ich genauer darauf eingehe, wie ich vorgegangen bin und weshalb. Er ist als eine Art roter Faden gedacht, an dem du dich orientieren kannst, wenn du selbst demnächst planst, deinen Kleiderschrank auszumisten.

Hier kannst du dir außerdem ein Workbook herunterladen, das ich mit viel Liebe gestaltet habe, um dir auf deinem Weg zur Capsule Wardrobe zu helfen. Natürlich kostenlos!


Darauf, was denn überhaupt so eine Capsule Wardrobe ist und wieso ich mich dazu entschieden habe, dieses Prinzip einmal auszuprobieren, bin ich in meinem Video schon eingegangen. Deshalb folgt hier nur eine ganz knappe Erklärung: Eine Capsule Wardrobe ist eine minimalistische Garderobe, die aus wenigen, aber gut ausgewählten und im besten Fall zeitlosen Teilen besteht. Diese werden mehrmals im Jahr der Jahreszeit entsprechend ausgetauscht. Vorteile sind unter anderem eine geringere Auswahl an Teilen, wodurch die Wahl des täglichen Outfits erleichtert wird, aber vor allem auch ein bewussterer Blick auf den Inhalt des Kleiderschranks. Allen, die sich gerne noch weiter mit den Hintergründen befassen möchten, kann ich den Blog und das Buch von Anuschka Rees* empfehlen. Das Buch habe ich selbst noch nicht gelesen, aber es sieht sehr vielversprechend aus! Hier sollen es jetzt aber genug der einleitenden Worte sein – los geht’s!


Schritt 1: Bestandsaufnahme

Der allererste Schritt der Ausmiste-Aktion sollte sein, sich einen Überblick über die momentane Kleidungssituation zu verschaffen. Wer, so wie ich, von vornherein nicht unfassbar viel Kleidung besessen hat, kann hierzu gerne alles mal auf dem Bett oder dem Boden ausbreiten, das fand ich für die Übersicht sehr hilfreich. Aber keine Angst, selbst, wenn du das nicht so machen kannst, ohne in einem Berg von Klamotten unterzugehen, kannst du weiter mitmachen. Die nächsten beiden Teilschritte können auch aus dem Schrank heraus erledigt werden.


Deine Lieblingsteile

Such dir jetzt einmal alle deine absoluten Lieblinge heraus – die Teile, die es kaum vom Wäscheständer zurück in den Schrank schaffen, weil du sie sofort wieder trägst, in denen du dich absolut wohl fühlst und die du am liebsten in 10facher Ausführung hättest. Und dann schau dir jedes einzelne Teil mal genau an und überlege und notiere dir, warum du dieses Kleidungsstück so gerne magst! Ist es der Schnitt? Die Farbe? Der Stoff? Die Passform? Diese Notizen werden dir später bei Schritt 2 sehr weiterhelfen ;)


Deine „Schrankleichen“

Dasselbe Spiel noch einmal – diesmal jedoch mit all den Teilen, die in der hintersten Ecke des Schrankes ihr Dasein fristen und nur dann das Tageslicht erblicken dürfen, wenn es keine Alternative gibt…oder noch schlimmer: die direkt vom Laden in die Ecke gewandert sind und seitdem nicht mehr herauskamen. Schau dir auch hier jedes Teil genau an und schreib auf, warum du es so selten trägst. Passt es nicht richtig? Hast du nichts, was du dazu anziehen kannst? Fühlst du dich darin unwohl? Auch diese Notizen werden wir gleich wieder verwenden.


Schritt 2: Definiere deinen Stil

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass eine Grundvoraussetzung dafür, eine kleine, aber genau zu mir passende Auswahl an Kleidung zu besitzen, ist, herauszufinden, was denn eigentlich zu mir passt. Ich war nämlich immer eine dieser Personen, die relativ planlos irgendwelche Kleidungsstücke angesammelt hat, die mir gefielen oder praktisch erschienen, ohne darauf zu achten, ob meine Sammlung zueinander passt oder ob die Teile einem bestimmten Stil entsprechen. Mein „Stil“ war quasi offen für alles – und deshalb galt dasselbe auch für meinen Kleiderschrank. Aber wenn man einen minimierten Kleiderschrank anstrebt, muss man irgendwo die Grenze ziehen. Und es ist besser, das mit System zu tun als willkürlich nach einer bestimmten Anzahl an Teilen. Finde ich zumindest.


Dein Kleidungs-Inspirationsboard

Dieser erste Schritt der Stilfindung wird dir bestimmt gefallen – denn er ist gleichzeitig auch eine kleine Pause im Ausmisteprozess! Es wird Zeit, dir bewusst zu machen, welche(r) Kleidungsstil(e) dir gefällt. Nimm dir dafür Pinterest*, Tumblr* oder eine gute alte Modezeitschrift zur Hand – wahlweise auch eine Tasse Tee oder Kaffee – und sammle einfach mal eine Zeit lang Bilder von Outfits, die dir gefallen. Ob du dir dafür ein paar Stunden oder ein paar Wochen Zeit nimmst, ist ganz dir überlassen. Die Sammlung sollte am Ende am besten zwar umfangreich, aber nicht überbordend sein. Und natürlich kann sie in Zukunft immer erweitert werden!


Inspirationsboard überprüfen

Nachdem wir eben nach Herzenslust sammeln durften, kehren wir nun auf den Boden der Tatsachen zurück. Nimm dir jetzt deine No-Go-Liste (deine Notizen zu deinen Schrankleichen) und schau dir jedes deiner gesammelten Bilder an. Egal, wie toll das Outfit aussieht, wenn es eines der No-Gos erfüllt, fliegt es aus der Liste! Sei da wirklich streng mit dir. Denn so sehr du das Teil an dem Model magst, was nutzt es, wenn du weißt, dass du dich darin nicht wohlfühlen würdest? Behalte bei der Auswahl auch deinen Alltag im Hinterkopf: wenn du zum Beispiel eine ganze Menge edle Business-Mode gepinnt hast, aber als Erzieher*in arbeitest und tagtäglich Jeans und T-Shirt trägst, sind deine Traumoutfits für dich nicht alltagstauglich. Vergiss auch nicht, das Wetter zu bedenken! Ein Boho-Hippie-Look mit wallenden Röcken und Flip-Flops funktioniert z.B. nicht im norddeutschen Winter.


Entdeckungsreise: Finde deinen Stil

Nachdem nun das Inspirationsboard aufgeräumt ist, machen wir uns an ein wenig echte Forschungsarbeit: wir suchen nach Gemeinsamkeiten, die auf deinem Board (und vielleicht auch in deinen Lieblingsteilen, die du schon besitzt) immer wieder vorkommen: Farben, Schnitte, bestimmte Motive, bestimmte Stoffe, eine ganz bestimmte Kombination…alles, was öfter vorkommt, solltest du bei deinen Notizen zu deinen Lieblingsteilen ergänzen!


Dein Stil definiert

Wenn du dich gefragt hast, wieso du eine so ewig lange Liste mit Gemeinsamkeiten erstellen solltest, kommt nun deine Antwort: diese hilft dir dabei, deinen Stil noch  genauer zu definieren, und zwar durch:

  • ein Farbschema: Durchforste deine Liste nach den Farben, die du dir am meisten ausgesucht hast. Damit in deiner Capsule später möglichst alles miteinander kombiniert werden kann, sollte sie nicht aus zu vielen verschiedenen Farben bestehen. Für mich funktionieren 1-3 neutrale Basis-Farben + bis zu drei Akzentfarben sehr gut. (meine Basisfarben sind schwarz, weiß und grau; meine Akzentfarben grün, weinrot und (dunkel)blau)
  • eine Auswahl an Go-To-Outfits: Ist auf deinen Bildern immer wieder eine Kombination aus Jeans, Shirt und Sneakers zu sehen? Oder gefällt dir der Look aus einem kurzen Kleid und Kniestrümpfen besonders gut? Suche dir 3-5 Kombinationen aus, die du später auf jeden Fall in deine Capsule integrieren möchtest.
  • ein Label: überprüfe dich zum Ende von Schritt 2 nun selbst: ist es dir gelungen, deinen Stil so weit einzugrenzen, dass du klar sagen kannst, wie er aussieht? Im besten Fall solltest du ihn mit 1-3 Adjektiven beschreiben können. Ein paar Beispiele: rockig, praktisch, farbenfroh, Hippie-mäßig, luxuriös, mädchenhaft, lässig, schick…Schubladendenken und Labels haben zwar viele negative Seiten, aber eines lässt sich nicht leugnen: sie vereinfachen. Und das ist hier ja genau das Ziel!


Schritt 3: Aussortieren

Nachdem nun die Denkarbeit geschafft ist, kommen wir (endlich?) zum eigentlichen Aussortieren. Das Gute ist: durch die ganze Überlegerei sollte dieser Schritt eigentlich ziemlich einfach zu erledigen sein:

  • Sortiere zuerst alles aus, was kaputt oder unveränderlich schmutzig ist (ja, ich meine diese ganz spezielle Art von „Gammelklamotten“, die dir sogar vor dem Pizzaboten peinlich sind!). Fürs Erste reicht es, wenn du das alles auf einen Haufen abseits der anderen Sachen legst.
  • Schmeiß dann alle deine Schrankleichen auf den Haufen. Schau sie dir nicht noch einmal an, um ein schlechtes Gewissen zu vermeiden. Du hast gute Gründe, diese Sachen wegzugeben. Sogar schriftlich.
  • Und nun widme dich dem Rest. Deine ganzen Lieblingsteile behältst du natürlich (sollte davon eines kaputt sein, aber du willst es trotzdem auf jeden Fall behalten, hat dieses Internet eine ganze Menge an Anleitungen parat, wie du das Teil reparieren (lassen) kannst. Amazing!). Alles andere wird nun genau unter die Lupe genommen. Entspricht es deinem neu definierten Stil?
    • Wenn ja – gibt es trotzdem etwas, was dagegen spricht, es zu behalten? (treffen No Gos zu oder passt es nicht zu deinem Alltag?)
    • Wenn nein – gibt es trotzdem etwas, was dafür spricht, es zu behalten? (kleidest du dich zum Beispiel eher lässig, brauchst dieses Business-Kostüm aber trotzdem immer mal wieder zu bestimmten Gelegenheiten?)
Nimm dir hier wirklich für jedes Teil genug Zeit. Sortiere nichts vorschnell aus, was du dann später doch wieder zurückholen musst, sei aber auch nicht zu vorsichtig und behalte alles Mögliche „im Fall der Fälle…“.


Schritt 4: Plane deine Capsule

Wenn du dir in Schritt 2 schon fleißig Gedanken über deinen Alltag und Lebenssituation gemacht und vielleicht schon ein paar Outfits geplant hast, hast du für diesen Schritt schon eine Menge Vorarbeit geleistet!
Jetzt musst du dir nur noch Gedanken darüber machen, für welchen Zeitraum du deine Capsule erstellen möchtest und welche Kleidungsstücke du in diesem Zeitraum benötigst. Für mich hat es am besten funktioniert, mir die Kleidungsstücke zum Kombinieren alle noch einmal hervorzuholen.

Wenn du merkst, dass die für deine Capsule noch Teile fehlen, schreib sie dir auf! Trotzdem solltest du im Sinne der Nachhaltigkeit versuchen, so wenig wie möglich neu kaufen zu müssen.
Vergiss bei der Planung auch nicht, mögliche Anlässe zu bedenken, für die du spezielle Kleidung brauchst! Im Sommer sind beispielsweise verhältnismäßig oft Hochzeiten, aber auch um Weihnachten herum kann man öfter mal festlichere Kleidung benötigen. Aber stresse dich nicht zu sehr. Schließlich ist die weggepackte Kleidung nicht verloren und es kann, wenn nötig, immer noch etwas daraus hervorgeholt werden.


Schritt 5: Was tun mit der aussortierten Kleidung?

Insbesondere gut erhaltene Markenkleidung kannst du gut bei Used But Precious* zum Festpreis ankaufen lassen, bei Ebay* oder Kleiderkreisel* wird man auch günstigere Kleidung gut los. Bei Kleiderkreisel oder speziellen Tauschportalen (hier* gibt’s eine gute Übersicht) hat man, wenn man seine Capsule noch ergänzen muss, die Möglichkeit, mit anderen Kleidung zu tauschen. Diese Möglichkeit gibt es auch offline: in vielen Städten werden – oft an den Unis – immer mal wieder Kleidertauschparties organisiert. Eine solche kannst du natürlich auch im kleineren Rahmen mit deinen Freund*innen veranstalten! Wenn du nicht unbedingt einen Gegenwert für deine Kleidung haben möchtest, kannst du sie natürlich auch spenden. Oxfam-Shops*, Sozialkaufhäuser oder Kleiderkammern freuen sich darüber. Hier* kann man sich einen Überblick über Spendemöglichkeiten in der Nähe verschaffen! Übrigens: warum Altkleidercontainer keine gute Alternative sind, zeigt diese NDR-Doku von 2011

Aber was ist mit der kaputten und ranzigen Kleidung, die nicht mehr gespendet werden kann? Für vieles gibt es oft trotzdem noch eine Möglichkeit, sie zu reparieren oder zu etwas anderem umzufunktionieren. Jeans, deren Saum ausfranst, können abgeschnitten und als Shorts getragen werden, aus einen total löcherigen T-Shirt kann man Putzlappen schneiden. Insbesondere bei Pinterest findet man unter dem Stichwort „Kleidung Upcycling“ viele Ideen dazu.
Wenn du trotzdem etwas hast, wofür kein Weg an der Tonne vorbei führt, kannst du bei FairWertung* nach Altkleidercontainern suchen, bei denen die Spende tatsächlich einen guten Zweck erfüllt.


Schritt 6: Nachhaltig einkaufen

Wenn du, wie ich, eine ganze Menge Sachen aussortiert hast, die du schon viel zu lange aufbewahrt hast, wirst du wahrscheinlich ein paar Sachen für deine Capsule nachkaufen müssen.
Halt! Stop! Nicht schon los in die Stadt rennen. Denn wenn du jetzt wieder spontan und planlos shoppst, stehen die Chancen gut, dass du bald schon wieder entrümpeln musst.

Schau dir stattdessen noch einmal dein Inspirationsboard und deine geplante Capsule an. Und dann schreibe eine Wunschliste. Schreib dir darauf gerne nicht nur das, was für die aktuelle Capsule fehlt, sondern auch schon Dinge, von denen du weißt, dass du sie in der kommenden Jahreszeit brauchen wirst – so hast du länger Zeit, nach den perfekten Kleidungsstücken zu stöbern und musst nicht völlig verzweifelt auf den letzten Drücker hässliche Winterschuhe kaufen.

Sieh diese Liste tatsächlich mehr als einen Wunschzettel als eine Einkaufsliste an: du musst nicht alles darauf sofort kaufen! Gerade, wenn du Second Hand kaufen möchtest, kann es ein wenig Zeit dauern, bis du etwas passendes findest. Sei geduldig und kaufe nichts, was nur „irgendwie schon ein bisschen“ passt – und vor allem nichts, was eins deiner No Gos erfüllt!

Am besten nimmst du die Liste immer mit, wenn du unterwegs bist. Solltest du dann in die Gelegenheit kommen, nach Kleidung zu stöbern, hast du sie griffbereit und kannst schauen, was genau du denn noch brauchst. In der Stadt sind Second-Hand-Läden, Sozialkaufhäuser, Oxfam-Läden oder Flohmärkte eine gute Möglichkeit, nachhaltig „neue“ Kleidung zu bekommen.

Aber natürlich gibt es (für alle introvertierten Stubenhocker unter uns 😉) auch online einige Möglichkeiten. Zunächst einmal kann man bei allen oben erwähnten Seiten, auf denen man Kleidung VERkaufen kann, natürlich ebenso auch Kleidung kaufen. Kleiderkreisel hat (zumindest, wenn man das System umgeht) ein kleines bisschen Flohmarkt-Flair, UBUP hingegen bietet ein „klassisches“ Online-Shopping-Erlebnis – zu dem Preis, dass die Kleidung, wenn man sie dort bestellt, leider ebenso wie bei H&M und Co. einzeln in Plastik verpackt verschickt wird. Da ist noch Luft nach oben!

Aber natürlich kann man auch dann nachhaltiger einkaufen, wenn man nicht unbedingt alles aus zweiter Hand haben will. Quasi jede Art von Kleidungsstück gibt es auch von ökofairen Marken. Gute Anlaufstellen hierfür bieten Avocadostore*, Fairmondo* oder LoveJustly* (Achtung – letzteres kommt aus den USA. Hier solltest du also den Transportweg mit bedenken).

Geschafft! Deine aussortierte und in Richtung Nachhaltigkeit ausgerichtete Capsule Wardrobe!


Wenn du noch weitere Tipps hast, teile sie gerne in den Kommentaren! Über ein Feedback zu meinen Tipps, insbesondere auch zum Workbook, würde ich mich auch sehr freuen. 


*Werbung, da Namen genannt. Bezahlt wurde ich dafür aber nicht! (Schön wär’s, hahaha)

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