Exotenwald Weinheim

Freitag, 18. Mai 2018



Montagnachmittag. Überraschenderweise hatte ich bis zum Mittag alles erledigt, was ich mir für diesen Tag vorgenommen habe, und sehe mich nun mit einem freien Nachmittag konfrontiert.
Freie Zeit! Mehrere Stunden am Stück! Ungewohnt und irgendwie beängstigend. Schon beginnt mein Gehirn zu rattern, sucht nach der einen Sache, der einen wichtigen Aufgabe, die ich bestimmt vergessen habe. Ein anderer Teil meines Gehirns hat eine Zukunftsvision: ich, am Abend, mal wieder enttäuscht von mir selbst, weil ich die freie Zeit aus lauter Überforderung angesichts all der Möglichkeiten, die sich bieten, am Smartphone-Bildschirm festgewachsen auf dem Sofa vertrödelt habe.
Stop! Energisch stelle ich meine soeben geleerte Kaffeetasse auf der Kommode ab, um mich mit dem klirrenden Geräusch aus der Gedankenspirale zu reißen. Schluss damit! Ein ganzer freier Nachmittag, das kommt so schnell nicht wieder. Und schon ist der Entschluss gefasst: ein Ausflug soll es werden! Wozu soll das neue Single-Dasein denn nutzen, wenn nicht dazu, einfach spontan alleine irgendwohin zu fahren?


Wenige Tage vorher wurde ich in der Instagramstory (glaube ich) von _melaniefontaine auf den Exotenwald Weinheim aufmerksam. Schon verrückt - da wohne ich jahrelang im Rhein-Neckar-Kreis und entdecke diesen Schatz nach meinem Wegzug über Instagram. Aber das Wetter war gut, die Zugreise mit knapp zwei Stunden Fahrtzeit auch von Wiesbaden aus machbar, und der Name "Exotenwald" vielversprechend. 


Was soll ich sagen? Der Wald hält, was sein Name verspricht: eine Vielzahl verschiedener Baumarten von allen Kontinenten, unter anderem beeindruckende Mammutbäume aus China und Nordamerika! Höchstwahrscheinlich weil ich montags dort war, waren auch kaum andere Spaziergänger unterwegs - nur eine Schulklasse, die einen Waldlauf veranstaltete. Aber schon wenige Schritte, nachdem sich unsere Wege getrennt hatten, war ihr Geschrei kaum noch zu hören und die beruhigende, tröstende Stille des Waldes umfing mich und füllte mich aus.


Optimistisch entschied ich mich zu Anfang aus den drei verschiedenen Optionen für die längste Wanderroute - schließlich war ich jung, hatte Zeit und die Sonne schien. Die ersten beiden Punkte entsprachen auch voll und ganz der Wahrheit. Letzteres wiederum...

Nachdem ich vielleicht eine Stunde durch den Wald gelaufen war, viele Fotos gemacht und die wunderschöne Natur bestaunt hatte, machte sich durch ein leichtes Donnergrollen ein aufziehendes Gewitter bemerkbar. Anfangs machte ich mir noch keine großen Gedanken darum: der Donner klang, als käme er weit aus der Ferne, und es bestand noch immer die Chance, dass das Gewitter einfach vorbeizog.


Doch leider wurde das Grollen immer lauter, und als ich dann irgendwann bemerkte, dass ich inzwischen auch die Einzige im Wald war, bekam ich es doch mit der Angst zu tun: schließlich bekommt man schon im Kindergarten gesagt, dass man sich bei Gewitter nicht im Wald aufhalten soll. Kurz nachdem ich die Entscheidung getroffen hatte, die Wanderung an dieser Stelle abzubrechen, begann es auch zu regnen (obwohl mich das dichte Blätterdach an den meisten Stellen davor geschützt hat). 


Glücklicherweise fand ich aber relativ schnell einen Ausweg, der allerdings dank meiner hervorragenden Orientierungskünste (ähem) nicht in die Innenstadt, sondern irgendeinen Stadtteil/Vorort führte. Normalerweise wäre ich wahrscheinlich einfach drauflosspaziert, aber weil es inzwischen doch heftiger regnete und ich leider mein seit dem letzten Herbst bestehendes Vorhaben, mir endlich einen Regenschirm zu kaufen, immer noch nicht umgesetzt habe, legte ich meinen schnellen und sicheren Heimweg vertrauensvoll in die Hände von Google Maps und betrachtete die vielen wunderschönen Fachwerkhäuser nur verliebt im Vorbeigehen.


Trotz des durchnässten Endes hat sich dieser Ausflug für mich definitiv gelohnt und ich habe mich Herz über Kopf in den Exotenwald verliebt! Ein weiterer Besuch ist fest in Planung; auch im Herbst stelle ich mir den Wald wunderschön vor - wobei ich nächsten Herbst ja nicht in Deutschland sein werde (das fühlt sich immer noch irreal an).  Zurück zum Thema: die Fotos können nicht widerspiegeln, wie beruhigend, belebend und bezaubernd dieser Wald ist, aber allen, die nicht furchtbar weit entfernt wohnen, kann ich einen Besuch nur ans Herz legen!

Und ich bin auf den Geschmack gekommen! Hat irgendjemand hier vielleicht weitere (bestenfalls naturbezogene) Ausflugstipps für Hessen oder den Rhein-Neckar-Kreis?


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