Mein März 2018


Oh, März - was für ein Monat! Zu Anfang unscheinbar, fast langweilig, mit täglichen Routinen aus Arbeiten, essen, schlafen und am Wochenende lesen, und dann, in der Monatsmitte, hagelte es auf einmal lebensverändernde Entscheidungen: Paukenschläge, die die vertraute Melodie unterbrechen und durcheinander bringen, das Überschreiten der Schwelle, der point of no return in der Erzählstruktur meines Lebens.

When one door closes...

Die letzten beiden Wochen waren...merkwürdig, meine Gefühle schwer zu beschreiben. Am 18. März endete meine sechsjährige Beziehung, die mir in all den Schwierigkeiten, die das Erwachsenenleben mit sich bringt, Halt gab und gleichzeitig den Mut, mich selbst kennenzulernen. Dadurch brach gleichzeitig auch alle Sicherheit weg, die mir dabei half, meine Zukunftsängste im Zaum zu halten: in wenigen Monaten habe ich kein festes Zuhause mehr, die komplette finanzielle Verantwortung für mich selbst, keine "Ersatzfamilie" mehr, die mir ein Gefühl von Geborgenheit gab, was mir in meiner eigenen Familie fehlt und niemanden mehr, von dem ich weiß, dass er immer an meiner Seite ist, mir bei alltäglichen Sachen hilft, wenn die Angst mich mal wieder im Griff hat und der mir einfach ein Gefühl der Sicherheit und Zugehörigkeit gibt.

Obwohl ich rational betrachtet weiß, dass wir uns einfach in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben, kaum gemeinsame Interessen, Werte und Ziele haben, und obwohl ich nun weiß, dass mein Ex-Freund in den letzten Monaten sehr unter der unausgesprochen im Raum stehenden Trennung gelitten hat (noch mehr als ich selbst) und ich merke, dass es sowohl ihm als auch mir eigentlich mit dieser Entscheidung besser geht, fühle ich mich oft einsam, insbesondere abends, wenn die Wohnung so groß und leer und still ist und mich die Traurigkeit zu sehr im Griff hat, um irgendetwas zu tun als im Bett zu liegen und auf eine Nachricht von irgendjemandem zu warten. Und viele meiner Nächte sind schlaflos, weil ich die Gedanken nicht aus dem Kopf bekomme: in wenigen Monaten habe ich keine Wohnung mehr, keinen Job, keine finanzielle Sicherheit. Es geht nicht einmal so sehr darum, dass ich meinen Partner vermisse, denn wir bleiben befreundet und halten nach wie vor Kontakt. Er ist nicht völlig aus meinem Leben verschwunden und tatsächlich sind unsere Unterhaltungen nun lebendiger und freier, ähnlicher dem, wie sie früher waren. Ich glaube, hauptsächlich vermisse ich den Trost und die beruhigende Wirkung, die ein sicheres Zuhause bieten. Mein Ex-Freund war ein Zuhause für mich: egal ob in Wiesbaden, in Dänemark oder in unserer Heimat auf dem Land: wenn er bei mir war, fühlte ich mich sicher und geborgen.


...another one opens.

Nur wenige Tage später jedoch bekam ich eine E-Mail mit der festen Zusage für mein Auslandssemester in Schweden, wovon ich seit Monaten geschwärmt habe und was mein Ziel und Ankerpunkt war, immer dann, wenn mir in den letzten Monaten alles sinnlos und zu schwer erschien. Und es ist perfekt: nicht nur werde ich mehrere Monate in Schweden leben, sondern meine beiden Freunde an der Uni kommen auch mit - was mir einen großen Teil der Ängste nimmt, die sonst meine Vorfreude getrübt hätten. Natürlich bringt die Zusage auch Herausforderungen mit sich...zum größten Teil finanzielle, denn ich konnte, seit ich mein Studium selbst finanzieren muss, keine wirklichen Rücklagen bilden. Aber diese können nichts dagegen ausrichten, dass mein Herz jedes Mal schneller klopft und ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert wird, wenn ich an Schweden denke!

So trafen diese beiden Gefühle aufeinander in den letzten Wochen, kämpften um die Vorherrschaft in meinem Kopf und in meinem Herzen. Und das war...verwirrend. Fühlte ich zu viel Freude wegen Schweden, hatte ich ein schlechtes Gewissen, denn: ich hatte doch gerade eine Trennung hinter mir! Hatte ich meinen Freund denn überhaupt nicht geliebt, wenn mir das nichts ausmachte? Andererseits kamen ähnliche Gedanken auch, wenn ich zu stark im Trennungsschmerz versank, denn immerhin wurde gerade einer meiner größten Träume wahr und ich sollte gefälligst dankbar sein!

Auch der Beginn dieses neuen Monats ist noch geprägt von diesem Hin- und Hergerissensein. Freude und Schmerz, Hand in Hand und gegeneinander, abwechselnd und manchmal gleichzeitig, sodass ich kaum noch mitkomme. Aber immer öfter gelingt es mir, das Ende meines Lebens, so wie es selbstverständlich erschien, als Chance auf einen Neuanfang zu sehen, als Chance zu wachsen und als Chance auf ein Leben, das noch besser passt. Und ich bin auf einem guten Weg dahin, diesen Gedanken als Wahrheit zu akzeptieren.


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2 Kommentare

  1. Ich hoffe sehr, dass Schweden keine Enttäuschung für dich wird... Ich bin vor fast 8 Jahren zum Austausch nach Finnland gegangen und dann hiergeblieben (zwischendurch habe ich auch mal in Schweden gewohnt). Es ist nicht immer so wie man sich das Ganze vorgestellt hat. Vor allem auch noch in der dunklen Jahreszeit... Für mich ist das immer noch schwierig und zieht mich runter. Es ist gut, dass du nicht ganz allein sein wirst! Ich wünsche dir jedenfalls, dass du viele schöne Erfahrungen machst und es nicht zu viele negative geben wird. So ein Austausch ist so oder so sehr prägend und verändert die Sicht auf die Welt.
    Alles Liebe!
    Katja

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    1. Liebe Katja, vielen Dank für deinen Kommentar! Die gleichen Sorgen mache ich tatsächlich auch. Aber dennoch überwiegt die Vorfreude. Denn selbst wenn mich die Depression dort in der dunklen Jahreszeit noch mehr im Griff hat als hier, nimmt nichts mir die Erfahrung dessen, meine Angst überwunden und etwas getan zu haben, was ich vor noch nicht allzu langer Zeit für unmöglich gehalten hätte, verstehst du, was ich meine? :)
      Dir einen schönen restlichen Sonntag und eine tolle neue Woche!

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