Zweitausendachtsam - Gedanken zum neuen Jahr

Zweitausendachtsam. Dieses Wortspiel habe ich vor einiger Zeit im (übrigens sehr empfehlenswerten) Podcast Proud to be Sensibelchen der wunderbaren Maria Anna Schwarzberg gehört, und seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen, sondern ist mir immer wieder in den Kopf gehüpft, und das nicht nur im Zusammenhang mit dem, was wir inzwischen klassischerweise mit Achtsamkeit verbinden: dem achtsamen Umgang mit mir selbst. 

Denn ist das Wort "achtsam", wenn wir es mal (möglichst) losgelöst von Assoziationen betrachten, nicht noch viel umfassender? Wenn ich mich jemandem oder etwas gegenüber achtsam verhalte, heißt das dann nicht einfach "nur", demjenigen oder der Sache Achtung, also in gewisser Weise Respekt entgegenzubringen? Jemanden oder etwas zu achten, also zu schätzen?

Das klingt jetzt alles immer mehr nach Gedanken, die man der Kategorie "Philosophie unter der Dusche" zuordnen könnte, aber mehr oder weniger auf den Punkt gebracht könnte man sagen, dass ich sagen will: "Achtsamkeit" muss nicht nur Yoga und langsames Essen bedeuten. Ich kann nicht nur mit mir selbst achtsam umgehen, sondern auch mit meinen Mitmenschen, Tieren oder unserem Planeten. Und das ist es, glaube ich, was Achtsamkeit für mich zu mehr als einem Trend werden lässt: die Übertragbarkeit dieser Philosophie auf so ziemlich alle Bereiche des Lebens. Wobei Philosophie eigentlich auch schon wieder kein richtig passender Begriff dafür ist, denn Achtsamkeit spielt sich ja nicht nur gedanklich ab, sondern äußert sich ganz praktisch im Alltag. Zumindest so, wie ich das Wort verstehe, und wie ich es in diesem Jahr umsetzen und 2018 zu Zweitausendachtsam werden lassen möchte (man merkt, dass mich dieses Wortspiel fasziniert, oder?).

Ich möchte meiner Seele mit Achtung begegnen, indem ich das Verständnis und die Arbeit an ihr als höchste Priorität in diesem Jahr festsetze.
Ich möchte mit meiner Zeit und Energie achtsam umgehen, indem ich sie möglichst nicht für Dinge "ausgebe", die mir weder Erfolg noch Entspannung noch ein gutes Gefühl geben.
Ich möchte meinen Mitmenschen Achtung entgegenbringen, indem ich Rücksicht auf sie nehme und ihnen aufmerksam begegne - und ja, Cora, das beinhaltet, dich auch mal zuerst bei jemandem zu melden! Das stört und nervt nicht, sondern zeigt Interesse.
Ich möchte mit diesem wunderschönen, atemberaubenden Planeten und allen Lebewesen, die ihn ihr Zuhause nennen, achtsam umgehen, indem ich mein bestes gebe, meinen Lebensstil und Komfort nicht über das Wohlergehen der Tiere oder der Umwelt zu stellen. Hier 100% zu schaffen, ist zwar so gut wie unmöglich, fürchte ich, aber es gibt so viele kleine Schritte, die man gehen kann. Zum Beispiel gehe ich, sobald ich diesen Satz fertig getippt habe, gleich mal in der Küche das Licht ausmachen, das dort noch völlig grundlos brennt.

Zweitausendachtsam klingt irgendwie gleichzeitig nach einem riesig großen Vorhaben und nach etwas, das sich super einfach im Alltag umsetzen lässt. Ich merke schon, wie der Perfektionismus in meinem Hinterkopf aufwacht, sich reckt und streckt und bereits mit den ersten Vorstellungen von halbstündigen Yoga-Sessions, einer rein veganen und immer frisch zubereiteter Ernährung und Einkäufen, die nur aus Bio- und Fairtradeprodukten bestehen, um sich wirft. Deshalb hier eine Notiz an mich selbst und alle, die gern in die gleiche Falle tappen: Achtsamkeit und Druck vertragen sich nicht! Es gibt keine Achtsamkeits-Checklist, die man erfüllen muss, und keinen unausgesprochenen "Wer-führt-das-achtsamste-Leben"-Wettbewerb! Es gibt nur dich und die ganzen Dinge, die du Tag für Tag tust und den Versuch, eben diese Dinge bewusster oder vielleicht auch ein bisschen anders zu tun. Ein Jahresziel klingt vielleicht schon ein wenig überfordernd, aber ein Gedankenanstoß für jeden einzelnen Tag, das ist doch machbar, oder?

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